Rote Karte für Baumgärtners Medi-Verbund

P R E S S E S C H A U

Stuttgarter Zeitung 08.09.1999

Ärztestreit spitzt sich zu

Baumgärtner greift Schorre an

Die Kassenärzte streiten wieder heftig über ihre Haltung zum Arzneimittelbudget. Und die Gerüchte verdichten sich, dass Werner Baumgärtner, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nord-Württemberg, Bundesvorsitzender werden will.

Von Silke Schieber

Er will nicht darüber diskutieren, ob er die Nachfolge des Bundesvorsitzenden Winfried Schorre antreten möchte, sagt Werner Baumgärtner. Jetzt noch nicht. ¸¸Im Augenblick führen wir eine Sachdiskussion und noch keine Personaldiskussion,'' erklärt er. Das kann sich aber schon morgen ändern.

Da tagt der Länderausschuss der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin und die Ärztevertreter könnten ihren Bundesvorsitzenden kippen. Dies erscheint nahe liegend, zumal Schorre in den vergangenen Wochen stark in die Kritik geraten ist und einige Kassenärztliche Vereinigungen die außerordentliche Versammlung aus diesem Grund einberufen haben. Erbost sind viele Ärzte vor allem über Schorres schriftliche Zusage gegenüber Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer, dass die Ärzte nicht um die Erhöhung des Budgets für Medikamente verhandeln würden, wenn dieses Ende des Jahres überschritten werde.

Schorre habe der Ministerin damit einen ¸¸Persilschein für das Budget'' erteilt, kritisiert Werner Baumgärtner: ¸¸Das ist ein Alleingang, für den er keine Legitimation hatte.'' Das Sozialgesetzbuch V sehe vor, dass die Ärzte nachverhandeln dürften. Diesen Weg habe Schorre ¸¸politisch verbaut''. ¸¸Die KV Nord-Württemberg wird das nicht akzeptieren'', sagt Baumgärtner. Er hält es deswegen ¸¸für notwendig, dass Schorre zurücktritt''.

Sollte Schorre gekippt werden, fände eine Neuwahl frühestens im Oktober statt. Dazu sagt Baumgärtner, Chef der 5500 Kassenärzte in der Region: ¸¸Wenn ich gefragt werde, kandidiere ich für den Bundesvorsitz und wenn ich gewählt werde, werde ich das Amt annehmen.'' Ob er sich damit einen Gefallen tue, beurteilt der 48jährige Allgemeinmediziner aus Zuffenhausen allerdings selbst etwas skeptisch. Denn als nachgewähltem Bundesvorsitzenden bliebe ihm nur noch ein Jahr Amtszeit bis zu den nächsten Wahlen. Das ist wenig Zeit, um sich zu profilieren. Und Mehrheiten wechseln derzeit bei Ärztevertretern offenbar schnell, denn die Stimmung unter den Medizinern ist aufs Äußerste gespannt.

 

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