N A C H R I C H T E N

14.07.2000

Hochbegabung ohne Handikap: 14 Jahre alter Abiturient von der Alb sammelt Doktortitel

Hayingen, Kreis Reutlingen (Erhard Böttcher) - Er ist erst 14 Jahre alt, hat aber das Abitur schon in der Tasche: Franz Kiraly aus Hayingen auf der Schwäbischen Alb hat mit dem Superschnitt von 1,2 die Reifeprüfung am Gymnasium in Ehingen an der Donau abgelegt. Dabei hat der Frühbegabte fünf Klassen locker übersprungen. Die Geschichte des Genies verblüfft sogar den früheren Weltvorsitzenden der Vereinigung Mensa für Hochintelligente, Udo Schultz (Kiel). Derweil plant der Schüler nüchtern seine nächste Zukunft. "Ich denke, ich mache erst mal meine Doktortitel", sagt er. Medizin, Mathematik, Informatik und Physik will Franz abhaken. Danach möchte er als Professor forschen und lehren.

Der Abiturient will nicht als arrogant erscheinen. "Es kann ja sein, dass ich etwas intelligenter bin als die anderen", sagt er bescheiden. Er sei ein Individualist, fühle sich nicht gedrängt und lerne freiwillig aus Interesse. "Es ist gut so, wie es gelaufen ist", meint der Sohn eines Arzt-Ehepaares. Der Ulmer "Südwest Presse" haben der Vater und er schon die sensationellen Entwicklungsschritte geschildert: Mit 18 Monaten kannte der Junge alle Buchstaben des Alphabets, und mit drei Jahren las er seinen Eltern aus Kinderbüchern vor. Franz wurde in die zweite Klasse eingeschult, landete bald in der dritten, begann das Gymnasium als Achtjähriger und gelangte im Eiltempo zum Abitur.

Eine hohe Hürde hatte der Junge vor drei Jahren zu überspringen. Er stieß nach Darstellung des Vaters im Gymnasium Sigmaringen auf Schwierigkeiten: Neid, Hänseleien und Misshandlungen. Das ließ sich die Familie nicht lange bieten, und Franz konstatiert deshalb erleichtert: "Ich bin glücklich, dass ich nach Ehingen gewechselt bin." Mit großem Lob spricht der Vater vom Einsatz des baden-württembergischen Kultusministeriums. Angesichts der außergewöhnlichen Schulkarriere stand das Ministerium immer wieder unbürokratisch mit Rat und Tat bereit. "Solch eine Flexibilität der Behörden ist sehr löblich. Das gibt es längst nicht überall", urteilt Computerexperte Schultz.

Auch der Teenager sitzt selbst in der Freizeit gern schier endlos am Computer. Seine Stärken liegen übrigens nicht nur in Mathematik und den Naturwissenschaften. Franz beherrscht zum Beispiel neben der deutschen die englische und die ungarische Sprache; auch auf Französisch und Latein kann er sich verständigen. Talent hat der Junge zudem beim Klavierspielen bewiesen. Bereits vor der Einschulung stellten Psychologen an der Universität Tübingen fest: Franz ist eine Hochbegabung in naturwissenschaftlicher, sprachlicher und musischer Hinsicht. Auch diese Beobachtung fordert einen Kommentar des Mensa-Fachmannes Schultz heraus: "Dass jemand auf mehreren Gebieten sehr hohe Werte bringt, ist äußerst selten."

Das Lerntempo des Franz Kiraly war atemberaubend. Sein aus Ungarn stammender Vater erzählt: "Wofür andere sechs Wochen brauchen, braucht Franz einen Tag." Frau und Mutter des Mediziners sind Ärztinnen, sein Vater war Philosoph, Jurist und Staatswissenschaftler, eine Tante soll ein ausgeprägt visueller Typ gewesen sein. Offenbar sind vielfältige Begabungen in den Genen des 14 Jahre alten Franz geballt vorhanden. Komplizierte Zusammenhänge denkend, lesend und schreibend zu erfassen - das ist für den gescheiten Jungen ein Kinderspiel. Küchenarbeit liegt ihm weniger, und "zum Joggen muss ich ihn zwingen", sagt der Vater. Jetzt macht Franz im Vorfeld seines Studiums ein Klinikpraktikum.

Unterdessen eifern ihm zwei jüngere Geschwister nach: auch sie haben in der Schule schon Klassen übersprungen.

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