Rote Karte für Baumgärtners Medi - Unterstützen Sie die juristische Aufklärung


N A C H R I C H T E N

08.07.2000

115 Ärzte weniger in knapp zweieinhalb Monaten: Laufen dem Medi-Verbund die Mitglieder bereits in Scharen davon?

Stuttgart - Nach dem ersten Austritt aus dem Medi-Verbund am 13.09.1999 (siehe MEDI-Report Nr.6) hat der nach Dr. med. Werner Baumgärtners Selbstdarstellung "weltweit größte Praxisverbund" Medi-Verbund in den letzten zweieinhalb Monaten laut seiner eigenen Website 115 Ärzte und Psychotherapeuten verloren. Frohlockte der Medi-Verbund am 19.04.2000 noch mit der Angabe "Jetzt 2817 MEDI Mitglieder", so waren es am 01.07.2000 nur noch "2702 MEDI Gesellschafter". Dass Baumgärtner am 05.07.2000 auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg in einem Leserbrief ungerührt von "fast 3.000 Gesellschaftern" spricht, illustriert lediglich, wie wenig seine "Grossmannssucht-Pläne" (MEDICAL TRIBUNE, 28.04.2000, S.25) sich um die Wirklichkeit scheren.

Bei diesem bemerkenswerten Abgang von mehr als einem klugen Arzt-Kopf pro Tag empfiehlt sich für die kommenden heißen Wochen als Unterhaltung ein Medi-Quiz - zum Beispiel unter dem Titel

Der Medi-Schwund: Wer wird der letzte kleine Neger sein?
"O Werner, ist dein weltweit Medi fein,
wer wird der letzte kleine Neger sein?"


Diese Entwicklung kann nicht überraschen. Baumgärtners "Verkaufsmodell" Medi-Verbund entpuppte sich immer mehr als grandiose Mausefalle für ängstliche Ärzte, die die Medi-Verträge ohne anwaltlichen Rat unterschrieben haben. Berufsverbände raten in seltener Deutlichkeit und Einmütigkeit vom Eintritt ab: Der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) nennt das Beitrittspapier eine "Entrechtungserklärung" und der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) ordnet den Medi-Praxisverbund gar als "standes- und vertragsarztwidrig" ein. Erst unlängst stellte auch der Justiziar der Kassenärztlichen Vereinigung Südwürttemberg und Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer Südwürttemberg, Prof. Dr. jur. Hans Kamps, fest: Das "Medi-Netz ist rechtswidrig". Verkauft werden sollen offenbar nur die Ärzte.

"Die Medi-Initiatoren hatten zu Beginn ihrer Kampagne mit gut formulierten Absichtserklärungen noch die Hoffnung auf konsensfähige Verträge geschürt - kritische Beiträge ursprünglich wohlmeinender Kollegen wurden dann aber rasch als mißgünstige Stimmungsmache desavouiert. Wer sich allerdings der Mühe unterzieht, das verschachtelte Gefüge des geplanten Machtapparates unter die Lupe zu nehmen, wird registrieren, mit welcher Sorgfalt alle Instrumente zur Kontrolle der Geschäftsführung ausgehebelt wurden - das gilt selbst für den 'erweiterten Vorstand'", schrieb am 03.07.2000 Dr. med. Bernd Bornscheuer, Allgemeinarzt in Waiblingen.

In einem umfassenden Bericht über das Medi-Kartell am 05.06.2000 sah die Ärzte-Zeitung (S.1 und 18f.) die Ärzte in den Medi-Verbund eintreten, "weil sie die Verträge vermutlich nicht genau studiert haben. Das sollte nachgeholt und bei Verständnisfragen ruhig einmal ein Vertragsanwalt konsultiert werden. Das Geld lohnt", empfahl die Ärzte-Zeitung. Und vermutlich hat der eine oder andere sich seine Verträge inzwischen von einem unabhängigen Anwalt erklären lassen.

Der Bezirksvorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dr. Bornscheuer, stellte vor wenigen Tagen im übrigen fest: "Die Zahl der Medi-Mitglieder darf schließlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß der gesamte Apparat bislang nicht mehr ist als eine Art Bauentwurf mit vorgemerkten Mietern. (Noch steht nicht einmal der Rohbau: die Medi GmbH ist bis heute nicht eingetragen.) Ob das geplante Kollegialgebäude jemals als Heimstatt mittelständischer Praxen nutzbar ist, darf füglich bezweifelt werden."

Die letzten werden wohl erst aufwachen, wenn Ihnen die Rechnungen präsentiert werden. Zum Beispiel die Rechnung für die mutwillige und rechtsmissbräuchliche Klage gegen den MEDI-Report (siehe MEDI-Report Nr.8 vom 26.11.1999). Der realitätsfremde Versuch, MEDI-Report als bundesweit bekanntes und geschätztes Online-Journal über das untaugliche Vehikel des Marken- und Wettbewerbsrechts zum Schweigen zu bringen, wird den Medi-Gesellschaftern eine Stange Geld kosten. Das Landgericht wies unlängst die Klage der Stuttgarter Medi-Häuptlinge gegen MEDI-Report auf Unterlassung der Verwendung des Begriffes bzw. der Domain medi-report.de zurück.

Wie kann man mit Torheit anders umgehen als spielerisch? Es verdient ja tatsächlich allen Respekt, dass die Medi-Häuptlinge Baumgärtner und Metke ihren Teil zur ärztlichen und psychotherapeutischen Unterhaltung in steter Zuverlässigkeit beitragen. Da werden sich Ärzte und Psychotherapeuten im Herbst zur Vertreterwahl der Kassenärztlichen Vereinigung Nord-Württemberg (KÄV NW) nur fragen dürfen, ob sie ernstzunehmende Vertreter für die Wahrnehmung ihrer berufsständischen Interessen oder exzellente und über die Landesgrenzen hinaus beklatschte Unterhalter haben wollen. Zum Ärzteorchester vielleicht auch noch die Ärzteclowns?

Die Redaktion jedenfalls bedankt sich artig bei den Dres. med. Werner Baumgärtner und Norbert Metke, den herausragenden Vorsitzenden der KÄV NW mit dem unvergleichlichen Sinn für einen "hohen Unterhaltungswert" (Metke in den Stuttgarter Nachrichten vom 23./24.06.1999) und geht in ein poetisches Wochenende:


Der Arroganz der Macht erlegen
Und nicht aufs Recht mehr Acht gegeben,
Öffnen erst des Richters klare Worte
den Häuptlingen zur Wirklichkeit die Pforte.

Total medi allein ihr Netz das Größte sei,
Schallte der Welt entgegen ihr Kampfesgeschrei:
“Medi, Medi über alles, über alles Ärztegeld.
Den Rest steckt in das Feuer, das das Universum erhellt.“

Voll Strullerkraft sie pinkelten gen jedermann,
Der ihnen in die medi-geile Quere kam.
Der Medi-Wahn jedoch war gar nicht helle,
So wiederum sie fingen Richters Schelle.

Erschreckt nun Wernchens kleiner Struller zuckte,
Bedächtig Norbert sich am Scheitel juckte.
Dann stöhnten und ächzten die Pinkelbuben
Und gingen sich trösten in die Dinkelstuben.

Da steh’n sie nun die beiden Helden
Und haben bald nichts mehr zu melden...


Rein und raus - und raus und rein
Redaktioneller Nachtrag am 12.07.2000:
Nach unserem Bericht vom 08.07.2000 über den Schwund von 115 Medi-Mitgliedern in den letzten zweieinhalb Monaten ließ der Medi-Verbund-Statistiker in zehn Tagen (01.07.-10.07.2000) prompt wieder 200 Mitglieder in den Topf hineinströmen.

Da die Medi-Häuptlinge mit diesen bemerkenswerten Mitgliederbewegungen schon seit 1999 die Presse narren, haben wir jetzt das MediMeter erfunden.

"Medi will vor allem eins, wachsen..." - so schrieb am 05.07.2000 spöttisch die Ärzte-Zeitung (S.14). Ganz klar, da ist unsere kleine Welt nicht groß genug. Das MediMeter berücksichtigt dies: Ab sofort kann der Medi-Verbund auch ins Universum expandieren

 


© MEDI-Report: www.medi-report.de

Weitere Informationen:
Erster Austritt aus der MEDIS GbR: 007 verlässt "Seiner Majestät Schnauzerverein" - 13.09.1999
Verschwendung von Ärztegeldern geht weiter: Die MEDI-Fürsten lernen es einfach nicht - 26.11.1999
Rechtswidrigkeit des Medi-Verbundes: Sozialministerium als Dienstaufsicht eingeschalten - 29.05.2000
Unzulässige Vermengung von Ämtern der KÄV NW mit Medi: Dokumente für die Dienstaufsicht - 06.06.2000
Übersicht: Diskussion um den Medi-Verbund - ab Frühjahr 1999