N A C H R I C H T E N

10.02.2000

F.D.P.-Appell an Fischer: Psychotherapeuten brauchen dringend Hilfe

Berlin (MEDI-Report) - Die F.D.P. hat Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und die Krankenkassen aufgefordert, den Psychotherapeuten mehr Geld zu geben. Die Finanzlage der psychotherapeutischen Praxen werde immer schlechter, warnte der FDP-Gesundheitspolitiker Dr. Dieter Thomae am Mittwoch in Berlin. Die Bundesregierung müsse endlich handeln. Die Kassenärzte könnten die Honorare der Psychotherapeuten nicht durch Umschichtungen zwischen den Medizinern aufbessern, weil die Spielräume bereits erschöpft seien. Thomae wiederholte die F.D.P.-Forderung, dass Patienten ähnlich wie bei Arzneien auch für Psychotherapien Geld zuzahlen müssen.

Zur derzeitigen desolaten Finanzsituation vieler psychotherapeutischer Praxen erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der F.D.P.-Bundestagsfraktion, Dr. Dieter Thomae, am Mittwoch: Die finanzielle Lage der psychotherapeutischen Praxen wird immer schlechter. Daran hat auch das Urteil des Bundessozialgerichts vom 25.08.1999 nichts geändert. Das Einzige, was der Bundesgesundheitsministerin dazu einfällt, ist jedoch die Aufforderung an die Kassenärztlichen Vereinigungen, den Gesamtbetrag, der für die Behandlung aller Patienten gezahlt wird, anders zu verteilen, wohlwissend, dass es angesichts drastisch gefallener Punktwerte keine Spielräume mehr gibt.

Das Psychotherapeutengesetz wurde von allen Parteien gefordert. Niemand kann sich deshalb jetzt aus der Verantwortung stehlen. Die F.D.P. habe während der Verhandlungen auch im Vermittlungsausschuss immer wieder darauf hingewiesen, dass man angesichts der Unsicherheit über die Höhe der bis zum Inkrafttreten des Gesetzes im Rahmen der Kostenerstattung gezahlten psychotherapeutischen Leistungen sowie einer Tendenz zur Zunahme von Leistungsfällen nicht einfach einen Deckel auf den überbrodelnden Topf legen kann, ohne dass das zu gravierenden Konsequenzen führt. Genau diese Situation tritt jetzt ein. Es räche sich, dass die damalige Opposition nicht bereit war, eine sozial verträglich gestaffelte Selbstbeteiligung mitzutragen, die zur Entspannung der finanziellen Situation beigetragen hätte und die den Anreiz erhöht hätte, eine einmal begonnene Therapie bis zum Ende durchzuhalten.

Thomae fordert die Bundesregierung auf, endlich zu handeln und eine durch Härtefall- und Überforderungsregelung sozial gestaltete Selbstbeteiligung einzuführen und die Krankenkassen zu verpflichten, mehr Geld für die psychotherapeutische Behandlung zur Verfügung zu stellen. Sollte die Bundesregierung nicht handeln, werde die F.D.P. dies tun. In einem Gespräch am 24.2.2000 wollen sich F.D.P.-Politiker mit den Vertretern der Psychotherapeuten und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zusammensetzen, um über eine zügige und praktikable Lösung zu beraten.

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