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28.01.2000 Einmalige Blutwäsche gegen Hörsturz: Neue Therapie wird erprobtBerlin (dpa) - Mediziner in Deutschland wollen Hörsturz-Patienten mit einer Blutreinigung behandeln. Der Hörsturz trete gehäuft bei Menschen auf, die zu Gefäßverschlüssen neigen, teilte die Berliner Klinik Charite am Mittwoch mit. Bei der neuen Therapie werde versucht, in einem einmaligen, ambulant durchzuführenden "Waschgang" das Blut von bestimmten Blutfetten und -proteinen zu reinigen und damit eventuell den Hörverlust aufzuheben. Das neue Verfahren werde bei einer größeren Anzahl von Patienten in mehreren deutschen Kliniken unter Leitung der Charite erprobt.
Erhöhte Werte von Blutfetten (Cholesterin) und bestimmte Blutproteine (Fibrinogen) erhöhen die Neigung der Blutplättchen, miteinander zu verklumpen. Mediziner nehmen an, dass dem plötzlichen Hörverlust eine plötzliche Durchblutungsstörung in den Gefäßen des Innenohrs zu Grunde liegt, vergleichbar den Gefäßverschlüssen bei Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Überlegung ist, dass das Auswaschen von Cholesterin und Fibrinogen aus dem Blut des Patienten die Hörfähigkeit wieder herstellt.
Unter Hörsturz versteht man den plötzlichen einseitigen Hörverlust wegen einer Funktionsstörung im Innenohr, häufig verbunden mit Druckgefühl und Ohrgeräuschen, erläuterte Charite-Sprecherin Silvia Schattenfroh. Der Hörsturz sei für den Betroffenen ein dramatisches Ereignis, das jedes Jahr in Deutschland etwa 20 von 100.000 Menschen treffe. Seine Ursache sei unbekannt, die Behandlung dementsprechend ohne wissenschaftlich gesicherte Grundlage.
Die bisherige Behandlung besteht darin, zehn Tage lang Infusionen mit durchblutungsfördernden und gefäßerweiternden Medikamenten zu verabreichen. Außerdem wird in der Annahme, dass das Geschehen auch eine entzündliche Komponente habe, Kortison gegeben. Unter Leitung der Ärztin Birgit Mazurek in der Klinik für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde der Charite wird bei dem neuen Verfahren das Blut des Patienten aus einer Vene heraus über einen Filter gelenkt, der die überhöhten Mengen von Cholesterin und Fibrinogen herauswäscht. Das gereinigte Blut wird zurückgegeben. Dieser Vorgang dauert etwa zwei bis drei Stunden.
Diese Therapie wurde bereits in einer Vorstudie am Klinikum Großhadern in München erprobt. An dem bundesweiten Versuch werden zudem Kliniken in Hamburg und Bochum beteiligt, sagte Schattenfroh. Schon während der Blutwäsche würden sechs von sieben Patienten bereits bemerken, dass das Druckgefühl im Ohr nachlässt und ihre Hörfähigkeit sich bessert. |