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Stuttgarter Nachrichten 18.12.1999

Patienten besser schützen

Landesdatenschützer kritisiert Ärzte-Verbundprojekt

Alle Jahre wieder präsentiert der Landesdatenschutzbeauftragte kurz vor Weihnachten seinen Tätigkeitsbericht. Am Freitag war es so weit. Werner Schneider legte den Mängelkatalog vor. In mehreren Fällen sind auch Stuttgart und die Region betroffen.

VON FRANK KRAUSE

So äußerte Schneider große Bedenken gegen das Projekt "Stuttgarter Telemedizin". Dabei sollte zwischen dem Katharinenhospital und niedergelassenen Ärzten eine gemeinsame Datenbank aufgebaut werden. Auf diesem Weg sollte den Ärzten ermöglicht werden, via PC in ihrer Praxis direkt auf die Daten im Krankenhaus zugreifen zu können. Als die Datenschützer das Konzept prüften, fanden sie jedoch ein gravierendes Problem: Die Datenbestände waren nicht abgesichert. Die Folge: Jede Seite konnte auf alle Daten der anderen zurückgreifen. Schneider: "Damit war die Wahrung des ärztlichen Berufsgeheimnisses gefährdet." Mittlerweile seien die Datenbankbereiche aber vollständig getrennt.

An einem anderen Punkt wittert Schneider weiterhin Gefahr. Stichwort: "Medi". Dahinter verbirgt sich der Plan der Kassenärztlichen Vereinigung Nordwürttemberg, mit den niedergelassenen Ärzten der Region beim Einsatz von Kommunikationstechnik zusammenzuarbeiten. Ziel des Verbundprojekts: Informationsaustausch per elektronischer Post und Einrichtung einer elektronischen Patientenakte. Schneider warnte vor "der Zusammenballung höchst sensibler Daten". Es könne nicht sein, dass der Augenarzt, bei dem man seine Sehstärke testen lässt, alles über den jüngsten Besuch des Patienten beim Urologen erfahre. Schneider forderte deshalb, dass Zugriffe auf die Akte vom Patienten autorisiert werden müssten.

Scharfe Kritik äußerte der oberste Datenschützer im Land an den Städtischen Kliniken Esslingen. Sie hatten - zwecks Kostenersparnis - ihre Patientenverwaltung und Abrechnungsarbeiten an eine externe EDV-Firma nach Dresden vergeben. "Die haben so ziemlich alles falsch gemacht, was falsch zu machen war." So konnten die Mitarbeiter der Firma auf alle Daten der Klinik - auch jene, die der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen - zurückgreifen. Ursache hierfür: eine veraltete Verschlüsselungstechnik. Zugleich habe sich die Klinik über zehn Monate geweigert, die nötigen Unterlagen zur Prüfung vorzulegen. Kommentar Schneiders: "Das ist eine Brüskierung der Datenschutzkontrolle, passt aber in dieses Bild."

Hier gelangen Sie zu einem weiteren Beitrag der Stuttgarter Nachrichten vom 24.01.2000 zum Thema Datenschutz im MEDI-Verbund: "Das sind Peanuts".

 

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Wiedergabe auf medi-report.de mit freundlicher Genehmigung durch Thomas Barth, Redaktionsleitung Online, Stuttgarter Nachrichten online.